die Kunst des Denkens
Metaphysik — Kybernetik — Philosophie
Kunst
Beim Begriff »Kunst« besteht eine Doktrin wie bei Ideologien, die ähnlich wie beim Begriff »Gott« in der Theologie ist. Der Begriff »Kunst« sei wie der Begriff "Gott" nicht eindeutig und allgemeingültig erklärbar, weswegen jegliche Erklärung als beliebig und individuell gilt. Eine eindeutige und allgemeingültige Erklärung wird ignoriert und geächtet bis verachtet. Stattdessen werden beliebige und individuelle Erklärungen toleriert, was als Offenheit und Gutmütigkeit gelobt wird. Im Grunde wird jedoch daran festgehalten, dass der Begriff »Kunst« nicht eindeutig und allgemeingültig erklärbar sei bishin nicht erklärt werden kann sowie nicht erklärt werden darf. Diese Absicht hat zur Folge, dass auch das Kunst sein kann, was keine ist. Dies wird als kleineres Übel geduldet und auch ausgenutzt.
Die Begriffe »Kunst« und »Gott« sollen unerklärbar sein, damit diese mystifizierbar sind.
Der Begriff »Kunst« ist erklärbar als Teil einer Dualität. Dies ist möglich mittels dem Eigenschaftswort von »Kunst«: künstlich. Die Dualität besteht aus »natürlich« und »künstlich«. Mittels dem Substantiv des Eigenschaftswortes »natürlich« (Natur) ist eine Verbindung zu einer weiteren Dualität möglich: Natur oder Kultur. »Kultur« ist kultivieren als eine Art domestizieren und diktieren. Strenge Wiederholungen ohne Spielraum in Form von Ritualen spielen dabei eine wichtige Rolle. In Reih und Glied. Zivilisation.
Aus der Beliebigkeit heraus werden Anforderungen gestellt, die selten offen kommuniziert werden, sondern meistens unterbewusst in Erscheinung treten.
- Kunst muss konsumierbar sein, sonst sei sie keine Kunst.
- Kunst muss einen Nutzen haben, sonst sei sie nutzlos und also keine Kunst.
- Kunst muss einen Wert haben, sonst sei sie wertlos und also keine Kunst.
Nicht die Erklärung des Begriffs »Kunst« ist beliebig und individuell, sondern die Unterscheidung zwischen Kunst und Natur. Jede Person kann anhand dieser Dualität jederzeit beliebig unterscheiden und entscheiden. Das jeweilige Ergebnis ist jedoch nur für die jeweilige Person gültig und nicht allgemeingültig. Für die eine ist alles Natur. Für die andere ist alles Kunst. Heute alles Kunst, morgen alles Natur.
Der Begriff »Kunst« betrifft dabei sowohl die Begriffe »Kunstwerk« als auch »Handwerk« sowie auch »Bauwerk« und »Werkzeug«. Was ist ein »Werk«? Ein »Werk« ist kein Objekt und kein Gebäude, sondern ein Akt, eine Tätigkeit. Die Verben von »Werk« sind werken, werkeln, wirken. Das Eigenschaftswort von »Werk« ist »wirklich«. Der Begriff »Werk« steht in direktem Bezug zur gegenseitigen Wechselwirkung und zur »Wirklichkeit«. Eine künstlerisch tätige Person »wirkt«. Ein Kunstwerk (Kurzform: Kunst) ist das Wirken einer künstlerisch tätigen Person.
Das Wirken — und somit ein Kunstwerk — einer künstlerisch tätigen Person ist nicht greifbar, sondern nur begreifbar oder auch unbegreifbar. Ein Kunstwerk ist nicht käuflich, sondern nur ein Kunstobjekt, denn wenn das Wirken käuflich ist, ist es kein künstlerisches Wirken mehr (Kunstwerk), sondern künstlerische Produktion (Handwerk).
Die Kybernetik unterscheidet zwischen »Wirklichkeit« und »Realität«. »Realität« ist das Ergebnis kognitiver Tätigkeit als mentale Darstellung (Imagination) der Wirklichkeit.
Am einfachsten ist das mit Akrobatik erklärbar. Nicht die akrobatisch bewegende Person und auch nicht ihr Körper ist das Kunstwerk, sondern ihr Akt (Wirken) während ihrer Darstellung einer Idee. Ein Gemälde und eine Skulptur sind nicht das Kunstwerk, sondern nur die Darstellung einer künstlerischen Idee.
Eine weitere Unterscheidung beim Thema Kunst, ist die zwischen Gestaltung und Produktion. Gestaltung ist die Darstellung einer Idee. Produktion ist die Herstellung eines Ideals. Die Anwendung von Techniken und Stilen bei der Darstellung ist bereits eine Herstellung. Ein Kunstobjekt ist kein Kunstwerk. »Kunstwerk« ist die Darstellung einer Idee und somit eine Objektivierung einer Idee. »Kunst« ist nie Ideal. »Kunst« ist Idee. Jedoch ist nicht jede Idee gleich »Kunst«.